Spott über den Kreationismus

In einer Hinsicht ähneln sich die in letzter Zeit mit einer auffälligen Häufigkeit erscheinenden Artikel über den Kreationismus: Sie sind allesamt sehr spöttisch abgefasst und behandeln Leute, die an die Schöpfung glauben als rückständig und leicht unterbelichtet oder als religiöse Eiferer. Teilweise strotzen diese Artikel nur so von hämischem Zynismus und so frage ich mich, weshalb es vielen Medienschaffenden anscheinend nicht möglich ist, ihre Berichterstattung über den Kreationismus sachlich zu verfassen. Wenn man den Bericht von Axel Bojanowski in der „Welt“ vom 2.1.2005 liest, stellt man unschwer fest, dass ihm schlicht und einfach die sachlichen Argumente fehlen und teilweise auch die fachliche Kenntnis.

Wenn man den Artikel nach Fakten oder nach stichhaltigen Argumenten für die Evolutionslehre untersucht, die der Autor implizit so vehement vertritt, findet man ganz genau ein einziges Argument: Die radiometrischen Messmethoden, die das Erdalter von ca. 4.5 Milliarden Jahren zu bestätigen scheinen. Was der Autor dem Leser aber vorenthält, ist, dass die Richtigkeit der radiometrischen Messmethoden von einigen Voraussetzungen abhängig ist, denn die Konzentration der Isotope kann sehr exakt gemessen werden, doch sind Isotop-Konzentrationen noch keine Zeitangaben. Um von solchen Messungen Altersangaben abzuleiten, müssen einige Annahmen getroffen werden. Dazu gehören:

a) Die Isotopenverhältnisse am Anfang (zum Beispiel, dass die Probe am Anfang keine Tochter-Isotope enthielt bzw. dass bekannt ist, wie viel sie von diesem Isotop enthielt).
b) Die Zerfallsrate ist stets konstant geblieben.
c) Die Systeme waren geschlossen oder isoliert, so dass keine Mutter- oder Tochter-Isotope entweichen oder zugefügt werden konnten. (siehe dazu ProGenesis, Das Schöpfungsmodell, Seiten 103/104)

Niemand kann mit absoluter Sicherheit die Richtigkeit dieser drei Voraussetzungen festlegen und weil das so ist, stimmen die Zeitangaben, die daraus berechnet werden nur, wenn alle drei Voraussetzungen stimmen.

Im Weiteren informiert der Autor die Leserschaft nicht darüber, dass es auch nichtradiometrische Messmethoden gibt, welche das postulierte Erdalter von 4,5 Milliarden Jahren nicht bestätigen. Hansruedi Stutz vergleicht in seinem Buch „Die Millionen fehlen“ 11 nichtradiometrische Messmethoden mit der radiometrischen Messmethode und kommt zu folgendem Ergebnis:

- Salzgehalt der Erde, 62 Millionen Jahre
- Abkühlung der Erdkruste, 50 Millionen Jahre
- Chaos der Planetenbahnen, 10 Millionen Jahre
- Heliumgehalt der Erde, 161000 Jahre
- Fossilien, Sedimentation, 26000 Jahre
- Lebensdauer der Saturnringe, 18000 Jahre
- Mississippidelta, 10000 Jahre
- Bodenbildung, 10000 Jahre
- Nickelgehalt der Meere, 9000 Jahre
- Lebensdauer der Kometen, 9000 Jahre
- Erdbevölkerung, 8000 Jahre

Die meisten der nichtradiometrischen Messmethoden bewegen sich bereits im historischen Rahmen von einigen tausend Jahren und keine kommt nur annähernd auf ein Erdalter von 4,5 Milliarden Jahre. Weshalb liest man nie etwas über diese Messresultate? Etwa weil sie das postulierte Erdalter nicht stützen?

Und wie steht es mit der Meinung der Bevölkerung? Wie der Autor selber schreibt, glaubt nur jeder zehnte Amerikaner an die Evolutionslehre (Gallup-Umfrage). Nach einer Umfrage, welche von ProGenesis und factum in Auftrag gegeben wurde, glauben in der Schweiz nur 33 % an die Evolutionslehre, in Oesterreich 40 % und in Deutschland 46 % (siehe dazu www.progenesis.ch). Aber es kommt noch besser. Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) befragte in den Monaten September und Oktober 2004 im Auftrag des „Wall Street Journal Europe“ 21’102 Personen in 21 Länder. Die Frage: „Ich glaube an einen Schöpfergott“ wurde in den verschiedenen Ländern wie folgt beantwortet:

- Rumänien, 96 %
- Griechenland, 92 %
- Polen, 90 %
- Italien und USA, 86 %
- Oesterreich und Schweiz, 73 %
- Grossbritannien, 72 %
- Deutschland, 56 %
- Niederlande, 51 %
- Tschechien, 32 %

In Mitteleuropa sind es knapp 80 % und in Westeuropa etwa 70 %. Das bedeutet, dass in Europa allen Unkenrufen zum Trotz nach wie vor 3 von 4 Menschen an einen Schöpfergott glauben (ideaSpektrum 52/53/2004 Seite 11).

Nicht jeder, der an einen Schöpfergott glaubt, muss zwingend ein Kreationist sein, aber Kreationismus bedeutet letztlich nichts anderes als „Schöpfungslehre“ und die Schöpfungslehre geht davon aus, dass ein Schöpfergott alles was ist erschaffen hat. Letztlich kann die Entstehung der Energie (Materie), des Lebens und des menschlichen Bewusstseins nicht mit wissenschaftlichen Mitteln „bewiesen“ werden und deshalb ist es eine Frage des Glaubens, ob man an einen Schöpfergott oder an die Evolution glaubt. Aber die Existenz der Energie, des Lebens und des menschlichen Bewusstseins ist ein starkes Argument, das für eine Schöpfung spricht und uns zur Annahme eines intelligenten Schöpfers zwingt. Eine Alternative zur Schöpfungslehre müsste die Entstehung der Energie, des Lebens und des Bewusstseins schlüssig erklären können. Aber auf diese Fragen sucht man in den Schulbüchern, Zeitungen und Zeitschriften vergebens eine Antwort.

Gian Luca Carigiet, ProGenesis, 7. Januar 2005


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