Zweifel am radiometrischen Erdalter

Die radiometrischen Methoden zur Altersbestimmung galten bisher als zuverlässige Grundlage für ein mehrere Milliarden Jahre zählendes Erdalter. Die gute Übereinstimmung bei der Anwendung verschiedener Methoden wurde dabei als Beweis für die Zuverlässigkeit dieser Altersbestimmung betrachtet. In der Zwischenzeit hat man das Instrumentarium weiter verbessert. Die Genauigkeit der Resultate wurde dadurch erhöht. Eine Gruppe von Geowissenschaftlern hat neue Messresultate veröffentlicht, die ernsthafte Zweifel an den bisherigen Interpretationen aufkommen lassen.

Mit vier verschiedenen Methoden hat man dasselbe Gestein (vulkanisches Gestein aus dem Grand Canyon mit dem Namen „Bass Rapids Sill“) gemessen. Total wurden 44 Proben genommen. Jeweils 11 davon sind mit einer anderen Methode untersucht worden. Je nach Methode ergaben sich verschiedene Alterswerte:

Methode Alterswert
1. Kalium-Argon 841 ±164 Millionen J.
2. Rubidium-Strontium 1055 ± 46 Millionen J.
3. Samarium Neodym 1375 ± 170 Millionen J.
4. Blei-Blei 1249 ± 140 Millionen J.

Wie können die erheblichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Methoden interpretiert werden? Man hat bisher angenommen, dass der „Bass Rapids Sill“ etwa 1000 Millionen Jahre alt sei. Dieser Wert basiert auf früheren Messungen mit der Rubidium-Strontium Methode. Dabei stimmen die früheren Resultate mit den neuen praktisch überein. Man kann daher annehmen, dass die Bergung der Proben, ihre Vorbereitung und Analyse wissenschaftlich korrekt vorgenommen wurde.

Die Resultate von 11 Proben stimmen innerhalb derselben Methode überein. Die Resultate der „Whole rock“ Methode stimmen überein mit der der einzelnen Minerale. Bei der "Whole rock" Methode misst man die ganzen Gesteinsproben. Bei der Messung einzelner Minerale löst man nur die massgebenden Minerale aus den Gesteinsproben heraus und misst diese (z.B. Zirkon, Uraninit, Muskovit, Biotit, Feldspat, Achondrit, Basalt).

Wichtige Unterschiede: Die Resultate der vier verschiedenen Methoden stimmen nicht überein. Es fällt auf, dass bei Isotopen mit höherer Halbwertszeit auch der Alterswert höher liegt. Zudem scheinen die Resultate davon abhängig zu sein, ob es sich um einen alpha-Zerfall oder einen beta-Zerfall handelt. Der alpha-Zerfall ergibt ein höheres scheinbares Alter als der beta-Zerfall.

Beurteilung: Nach der Bildung des „Bass Rapids Sill“ muss etwas passiert sein, das die Zerfallsrate der radioaktiven Isotope veränderte. Wenn die Zerfallsraten immer dieselben geblieben wären, wie sie heute sind, müssten alle Methoden dieselben Alterswerte liefern. Die radiometrischen Altersbestimmungen dürfen demnach in Frage gestellt werden. Die Annahme konstanter Zerfallsraten hat sich nicht bestätigt. Weitere Untersuchungen sind nötig, um das wahre Alter dieses Gesteins zu ermitteln.

Hansruedi Stutz, ProGenesis, 21. September 2004

Referenz: Paul D. Ackerman, ICC Report 01, Proceedings of the Comology Conference 2003.


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