Die Suche nach dem „Selbst“-Bewusstsein!

In der Ausgabe 13/04 der Weltwoche wird das „Selbst“-Bewusstsein des Menschen im Beitrag „Wir Blindschleichen, der Mensch hat keinen freien Willen“ als nichts anderes als eine Funktion des Gehirns definiert. Bereits die SonntagsZeitung vom 14. März 2004 berichtet über einen weiteren Versuch, das menschliche Bewusstsein (oder den menschlichen Geist) als eine Funktion des Gehirns zu definieren. „Mit magnetischen Stimulationen wollen Zürcher Forscher die Hirnareale für das „Selbst“-Bewusstsein finden“. Aber was wissen wir überhaupt über unser „Selbst“-Bewusstsein?

Bei der Definition des Bewusstseins werden die Grenzen der Erkenntnis sichtbar, denn die Wissenschaft sieht sich ausserstande zu definieren, was Bewusstsein wirklich ist. So stellt sich z.B. der Physiker James Trefil in einem vor einiger Zeit in den USA erschienen Buch die „Top Problems in Science“ die Frage: Werden wir je verstehen, was Bewusstsein ist? Die Wissenschaft lehrt eine monistische Sichtweise des Menschen (Monismus = Einheitslehre, vom griechischen „mónos“ = allein). Diese Denkrichtung leugnet die Verschiedenheit der Seinsbereiche und versucht, alles Existierende aus einem einzigen Prinzip herzuleiten. In diese Denkrichtung gehört auch der Materialismus, denn dieser postuliert als einziges Prinzip die Materie und versucht alle Phänomene dieser Welt allein aus den Eigenschaften der Materie zu erklären. Diese Auffassung finden wir bei Friedrich Engels (1820 – 1895), dem Mitbegründer des Marxismus: „Die stoffliche, sinnlich wahrnehmbare Welt, zu der wir selbst gehören, ist das einzig Wirkliche … die Materie ist nicht ein Ergebnis des Geistes, sondern der Geist ist nur das höchste Produkt der Materie.“

Der Monismus ist genau das Gegenteil von dem, was der Kreationismus lehrt, denn im Kreationismus ist alles Existierende das Produkt des Geistes. Im Gegensatz zur monistischen Wissenschaft lehrt der Kreationismus den „Trialismus“ (griechisch „tri“ = drei). In der materiellen Wirklichkeit werden drei voneinander verschiedene Seinszustände unterschieden: die Materie, die Seele (oder das Unterbewusstsein) und der Geist (oder das Ueberbewusstsein = das Selbstbewusstsein). Auch der Mensch ist eine Dreiheit, da er aus dem Körper, dem Unterbewusstsein (der Seele) und dem Ueberbewusstsein (dem Geist) besteht. Der Primat von Allem liegt aber eindeutig beim Geist, denn die Materie und die Seele können ohne die geistige Realität nicht erklärt werden. Im Evolutionismus versucht man, alles von unten nach oben zu erklären, also von der Materie aus; im Kreationismus hingegen wird alles von oben nach unten erklärt, also ausgehend vom Geist des Menschen bzw. vom Geist des Schöpfers. Demnach ist der Geist alles umfassend und die Materie nur ein Teil des Ganzen.

Der Mensch ist gleichzeitig Objekt und Subjekt. Eine Person kann man zum Objekt machen, indem man seine Eigenschaften untersucht und beschreibt. Damit hat man aber nur die objektive Seite des Menschen erfasst, also die Wirkung seines „Ich“, nicht aber seine subjektive Seite, also das Wesen seines „Ich“. Wir haben ohnehin bereits Mühe zu definieren, was wir selber sind. Wir wissen zwar, dass wir sind, aber wir wissen weder „weshalb“ noch „was“ wir wirklich sind. Mit dem „was“ ist die Essenz des subjektiven Ichs gemeint. Aus welcher Essenz besteht das subjektive Ich? Intuitiv ahnen wir, dass unser subjektives „Ich“ nicht materiell ist, sondern geistiger Natur sein muss. Der Geist (oder das Ueberbewusstsein) bestimmt das Unterbewusstsein und das Unterbewusstsein bestimmt das Sein. Das Unterbewusstsein ist der Ort des freien Spiels der Kräfte der Natur, die Ebene der Wahrnehmungen, Gefühle und Triebe. Das Unterbewusstsein funktioniert in Raum und Zeit weil es augenblicksbezogen ist. Wahrnehmungen wie Durst oder Kälte werden durch das Unterbewusstsein zwar autonom festgestellt, aber diesem liegt eine immanente Logik zugrunde sowie eine zeitlich definierte Reihenfolge. Wenn man lange genug nichts trinkt, stellt sich der Durst ein und veranlasst einen, etwas zu trinken; wenn man lange genug in der Kälte steht, beginnt man zu frieren und wird dazu veranlasst, sich wärmer zu kleiden.

Was ist nun aber unser Geist? Da das Ueberbewusstsein über dem Unterbewusstsein steht, muss es sich dabei um unser „Selbst“ handeln, um unsere Identität. Hier liegt denn auch der Unterschied zwischen Tieren und dem Menschen. Konsequente Evolutionisten verstehen sich als höher entwickeltes Tier! Der Unterschied zwischen Mensch und Tier liegt aber nicht in den Genen, sondern im Geist. Im Kreationismus geht man davon aus, dass die Tiere eine Seele, also ein Unter- oder Basisbewusstsein, besitzen. Wahrscheinlich verfügen Tiere auch über eine Art Denkvermögen, aber sie können nicht über sich selber nachdenken, sie verfügen nicht über die Fähigkeit, sich selber zu objektivieren, sie besitzen keinen Geist. Deshalb sind Tiere auch nicht zur Sprache fähig und sie schaffen sich auch keine Religionen und Weltanschauungen und auch keine Kultur. Die geistige Dimension des Menschen hat einen ewigen Horizont, denn der Geist unterliegt grundsätzlich weder dem Raum noch der Zeit. Der geistige Mensch hat die Möglichkeit, sein Unterbewusstsein wenigstens teilweise unter Kontrolle zu halten, denn er kann seinen Trieben nachgeben oder nicht, er kann sie ignorieren und er kann darüber entscheiden, wie und wann er sie ausleben möchte. Damit ist aber auch ausgesagt, dass er grundsätzlich für sein Handeln die Verantwortung trägt.

Der bekannte Hirnforscher und Nobelpreisträger John C. Eccles gelangte nach jahrzehntelanger Forschung am menschlichen Gehirn zu der Ueberzeugung, dass das Bewusstsein geistiger bzw. spiritueller Natur sein muss. „Da materielle Lösungen darin versagen, unsere erfahrene Einzigartigkeit zu erklären, bin ich gezwungen, die Einzigartigkeit des Selbst bzw. der Seele auf eine übernatürliche, spirituelle Schöpfung zurückzuführen„ (John C. Eccles). Das bedeutet, dass der Geist keinen „Sitz“ im Körper hat. Da wir den Geist im Körper nirgends lokalisieren können, bedeutet das, dass der Geist sich weder aus dem Materiellen noch aus dem Biologischen entwickelt haben kann! Interessant sind auch die Untersuchungen über die sog. Nahtodeserlebnisse. Es sieht ganz so aus, als ob das Ueberbewusstsein des Menschen unabhängig vom Körper existieren kann.

Entgegen dem Mainstream der materialistischen Theorien hat John C. Eccles seine Theorie des dualistischen Interaktionismus entwickelt. Dualistisch darum, weil Eccles zusätzlich zur physischen Gesamtheit des Gehirns den Geist als eigenständige, real existierende, immaterielle Instanz betrachtet. Interaktionismus bedeutet dabei, dass diese beiden Entitäten - materielles Gehirn und immaterieller Geist - miteinander kommunizieren. Der Geist beinhaltet die Identität und den freien Willen eines Menschen. Als Bindeglied zwischen Gehirn und Geist zieht Eccles die Quantenmechanik heran: "Die Hypothese der Wechselwirkung von Geist und Gehirn lautet, dass mentale Ereignisse über ein quantenmechanisches Wahrscheinlichkeitsfeld die Wahrscheinlichkeit der Emission von Vesikeln aus präsynaptischen Vesikelgittern ändern." (John C. Eccles: Wie das Selbst sein Gehirn steuert, Piper Verlag GmbH, München, 1994, Seite 114). Weil bei dieser Interaktion nur Information und keine Energie fliesst, wird der Energieerhaltungssatz der Physik nicht verletzt. Der Geist benutzt den Körper mitsamt seinem Gehirn nur als Werkzeug, um mit der sichtbaren Welt zu interagieren. Unsere Neuronen bereiten die von den Sinnen gewonnenen Informationen durch Berechnungen auf und machen sie dann dem Geist zugänglich. Unser freier Wille entwickelt daraufhin vielleicht eine mentale Absicht, welche wiederum im Gehirn Wahrscheinlichkeitsfelder verändert und so Einfluss auf das Feuern bestimmter Neuronen nimmt. Wie ein Puppenspieler alle Fäden seiner Marionette in der Hand hält, so laufen beim Geist die Resultate aller Hirnregionen zusammen: „Man muss erkennen, dass die vollständigen visuellen Bilder im Geist erfahren werden, der sie aus der Analyse in der Sehrinde zusammenzusetzen scheint.“ (Seite 258).

Das Bewusstsein eines Menschen scheint in einer transzendenten, unserer Physik bis anhin nicht zugänglichen Dimension, zu Hause zu sein. Die Funktionsweise eines metaphysischen Geistes ist nicht an die bekannte Physik oder gar die Algorithmik gebunden. Dabei kann das Gehirn sehr wohl ein vollkommen deterministisch und algorithmisch funktionierender neuronaler Computer sein, denn es ist schliesslich nur das Gefäss eines autonomen, nicht-algorithmischen Geistes. Die Strukturen des „Selbst“-Bewusstseins sind damit aber für die materialistische Wissenschaft bis auf weiteres unauffindbar geworden.

Gian Luca Carigiet, ProGenesis, 28. März 2004


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